Wenn der Hund sich ständig kratzt, der Bauch gerötet ist und sich kahle Stellen im Fell zeigen, dann steckt nicht immer eine Allergie dahinter.
Es gibt 3 Milbenarten, die dem Hund in gleicher Weise zusetzen können:
Sarcoptis canis, Otodectes cynotis und Notoedres cati – so lauten die exakten Bezeichnungen dieser Plagegeister. Aber auch die Demodexmilben (Demodex cani) sind gefürchtet und kommen bereits in den Haarfolikeln und Talgdrüsen vor. Bislang ist noch ungeklärt, warum diese Parasiten so auf dem Vormarsch sind, möglicherweise spielen Immunschwächen oder auch erbliche Komponenten eine Rolle.
Milben werden selten größer als 0,5 mm und existieren schon seit über 300Millionen Jahren. Kannte man in der Mitte des 18. Jahrhunderts nur etwa 30 Arten so sind es heute weit über 40.000 und jährlich werden neue Arten entdeckt.
Die Sarcoptisräude oder auch kurz Skabies ist häufig bei Hund und Fuchs anzutreffen, seltener bei Katzen oder beim Menschen. Sollte der Mensch daran erkranken zeigt sich dies in juckenden Ekzemen an Unterarmen und Bauch, allerdings ist der Mensch als Wirt für diese Milben gänzlich ungeeignet da sich sich auf dem Menschen nicht vermehren können – die Symptome heilen nach kurzer Zeit auch ohne irgendeine Behandlung ab. Man spricht in diesem Fall von einer Scheinräude.
Sarcoptis-Milben leben ständig auf dem Wirt und sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, da sie Tunnel durch die Haut des Wirtes graben, dort ihre Eier ablegen und sich über mehrere Stadien zum erwachsenen Tier entwickeln. Die Ansteckung mit diesen Parasiten ist sehr schnell möglich denn bereits ein flüchtiger Kontakt mit einem erkrankten Tier oder auch infizierte Teppiche, Bürsten, Kämme oder Transportboxen können dieses Hautproblem auslösen. Dabei gibt es durchaus Fälle, in denen der Befall mit diesen Milben nicht offensichtlich wird, es gibt so genannte stille Träger. Die Inkubationszeit von 2 – 8 Wochen erschwert dabei das Ausfindigmachen des Verbreitungsherdes.
Ist der Hund infiziert, so trifft es hauptsächlich erst die Ohrmuscheln, Achseln, Ellbogen und Sprunggelenksaußenseiten. Erst später breitet sich die Skabies auf die umliegenden Bereiche, den Kopf, den Unterbauch und den ganzen Körper aus. Das Tunnelgraben der Milben führt zu heftigem Juckreiz der sich bei warmer Umgebungstemperatur noch verstärkt. Da das Jucken und Kratzen auch eine Reaktion auf den Milbenspeichel und –kot ist, genügen bereits wenige Milben um heftigste Reaktionen auszulösen.
Zunächst bilden sich kleine Knötchen und Pusteln, anschließend werden Hautrötung mit blutigen Krusten und schuppige Stellen sichtbar, zuletzt präsentiert sich der befallene Hautbereich als kahle Stelle.
Eitrige Sekundärinfektionen der Haut durch die Hundekrallen sind keine Seltenheit und eitrige und wässrige Ekzeme entstehen. Chronisch befallene Tiere haben eine gräuliche, haarlose und lederartige Haut die einen Mausgeruch verströmt. Der Nachweis dieser Milben erfolgt durch ein so genanntes Hautgeschabsel, dass der Tierarzt unter dem Mikroskop untersucht. Dabei findet er eher seltener lebende Milben als vielmehr Milbenkot und –eier. Auch der Antikörpernachweis über das Blut des Hundes ist möglich. Die Behandlung ist leicht, muss aber sehr konsequent durchgeführt werden. Der Hund selbst wird mit entsprechenden Shampoos und Spot on Präperaten behandelt, weitere Hunde und Katzen sollten ebenfalls dieser Prozedur unterzogen werden. Besonders wichtig ist die sorgfältige Desinfektion und Reinigung der Umgebung – Milben können bis zu 18 Tagen außerhalb des Wirtstieres überleben. Decken, Bürste und Transportboxen dürfen dabei nicht vergessen werden.
Ein anderes Milbenproblem ist die so genannte Ohrräude. Verursacher ist Otodectes cynotis und die verbreiteste Ohrmilbe bei den fleischfressenden Arten wie etwa der Hund. Umtriebig werden die Plagegeister meist nur auf dem äußeren Gehörgang und der inneren Ohrmuschel. Halbhängende Ohren scheinen dabei der optimalste Platz zum einnisten zu sein, Hängeohren sind auch eher anfällig, seltener treten sie bei Stehohren auf. Möglicherweise können diese Milben auch bei Hauterkrankungen im Stirn- und Augenbereich angetroffen werden, dies ist aber eher selten.
Diese Milbe bohrt sich
nicht durch die Haut, ist aber dennoch äußerst lästig, Juckreiz und vermehrte Sekretabsonderung des Ohres sind erst der Beginn, im Ohr findet sich schwarz-krümeliges Sekret und später können sich bis zu zentimeterdicke Auflagen bilden. Der Hund schüttelt häufig den Kopf und kratzt sich, später kann sich eine Entzündung im Gehörgang bilden, auch ein Blutohr kann die Folge eines Milbenbefalls sein. Nässende Ekzeme und Blutergüsse am Ohrrand, Ohrgrund und an der Wange sind häufig durch die Kratzerei des Hundes. Sekundärinfektionen durch Bakterien und Pilze verschlimmern die Problematik und auch ein Durchbruch des Trommelfells, Mittelohrentzündung und anschließende Taubheit sind möglich. Schiefhalten des Kopfes und unkoordinierte Bewegungen des Hundes sind die Alarmzeichen. Allerdings vertragen die Milben es nicht, wenn das Ohr eitrig wird, sie sterben ab oder verlassen den Wirt – sie wandern einfach auf das nächste Opfer über. Dabei muss das kein Hund sein…Auf die Schliche kommt man den Milben durch eine Untersuchung des Ohrsekretes. Der Tierarzt wird Ihnen nach der Befundung ein geeignetes Ohrenmedikament empfehlen, welches nicht nur die Milben abtötet, sondern auch gleichzeitig entzündungshemmende und –lindernde Eigenschaften hat. Wichtig ist, das diese Behandlung mindestens über einen Monat erfolgt und profilaktisch auch andere Haustiere wie etwa Hunde und Katzen mitbehandelt werden.
Genau so unangenehm wie die vorgenannten Erkrankungen ist die Demodikose. Auslöser ist die Demodex-Milbe (Demodex canis) die eigentlich eher unauffällig auf der Haut lebt und unter normalen Umständen keine Probleme bereitet. Sie erreicht eine Größe von etwa 0,3 mm und ist von zigarrenähnlicher Form. Die Milbe dringt zu Hunderten entlang des Haarschaftes bis kurz vor die Haarwurzel in die Haut ein und vollzieht dort ihre gesamte Entwicklung. Hier unterscheidet man zwischen 2 Formen: Der lokalisierten und generalisierten Form. Bei der erstgenannten ist das Auftreten von Juckreiz eher selten und wenn dann nur mäßig, befallen sind meist der Kopf und manchmal auch die Gliedmassen, sie erscheinen rot-fleckig und die Haut ist schuppig, haarlose Stellen erscheinen. Die Infektion des Welpen geschieht direkt durch den Kontakt zur Mutter beim säugen, das erklärt auch die Bereiche, die auffällig erscheinen können. Welpen, die per Kaiserschnitt geboren und durch den Menschen aufgezogen werden sind nicht mit diesen Milben befallen. Meist breitet sich die Demodikose nicht aus und oft verschwindet sie nach 4 – 8 Wochen von selbst. Lediglich bei sehr jungen Hunden deren Immunsystem nicht ausgereift ist, bei alten Hunden oder bei solchen mit einem geschwächten Immunsystem kann sich daraus eine generalisierte Form entwickeln. 90% aller Fälle heilen problemlos ab, bei 10% der Fälle entwickelt sich die generalisierte Form. Gefördert werden kann dieser Prozess auch durch eine immunabwehrsenkende Therapie während einer tierärztlichen Behandlung wie z.B. bei einer Cushing-Behandlung oder bei einer Hyperthereose.Aber auch eine starke Verwurmung kann die Ausbreitung der Demodex-Milbe fördern. Bilden sich aufgrund von Bakterien, die bis in die tiefen Hautschichten vordringen können, erst einmal Grind- und Eiterausschläge (Pyodermie), nässende und schmerzhafte Entzündungen der Haarfolikel , dann ist eine Behandlung äußerst schwierig. Starker Haarverlust, Verschuppung, fettig glänzende Haut und eine scheinbare Verdickung der betroffenen Hautbereiche sind die typischen sichtbaren Erscheinungen. Der Juckreiz ist heftig und in einem solchem Lebensraum fühlen sich die Milben richtig wohl. Durch die massenhafte Vermehrung der Milbe kommt es zu einer Unterdrückung von bestimmten weissen Blutkörperchen, den sog. T-Zellen. Diese Zellen bilden eigentlich die Immunabwehr des Tieres. Es können sogar die Lymphgefässe und innere Organe befallen werden. Um also die Immunabwehr wieder zu stabilisieren, muss die Milbe bekämpft werden. Der Tierarzt wird durch ein Hautgeschabsel den Auslöser, die Demodex-Milbe diagnostizieren und eine geeignete Behandlung mit milbentötenden Mitteln , Shampoos und ggf. Antibiotika einleiten, die Behandlung kann sich über mehrere Monate hinziehen. Ivermectine in Form von Spritzen sind bei Demodikose nicht wirksam. Etwa 70% der von einer generalisierten Form betroffenen Tiere genesen völlig. Eine Übertragung auf den Menschen ist nicht möglich. Bei der generalisierten Form der Demodikose empfiehlt man in den USA, solche Tiere von einer Zuchtverwendung auszuschließen, da eine gewisse erbliche Tendenz befürchtet wird. Bei den Hunden einer solchen Linie wird eine generelle Immunschwäche gegen Milben vermutet. Bereits vor einer Zuchtverwendung kann eine solche Schwäche durch einen Bluttest nachgewiesen werden. Einige Rasse scheinen besonders anfällig für die Demodikose, hierzu gehören West Highland White Terrier, English Bulldog, Deutsche Dogge, Weimaraner, Airedale Terrier, Alaskan Malamute,Afganischer Windhund und der Dobermann. Es empfiehlt sich bei jeder Form der Milbenerkrankung, eine weitere Ansteckungsmöglichkeit für die Umwelt zu verhindern. Das befallene Tier sollte seperiert werden um ein Umsichgreifen der Milben zu verhindern. Sorgfältige und konsequente Behandlung ihrer Haustiere gewährleistet den größten Schutz.